Valheim Early-Access Review

Wenn Odin ruft, muss man antworten. So könnte das Motto lauten für Valheim. 3 Millionen Spieler sind ihm seit dem Early-Access Release am 2 Februar 2021 schon gefolgt, und so hab auch ich einmal einen Blick in das Reich der Toten gewagt.

Und kurz, was die 5 Entwickler des schwedischen Iron Gate Studio da auf die Beine gestellt haben, ist echt beeindruckend. Dabei sollten bei dem Spiel sämtliche Alarmglocken klingen, vereinigt es doch die unheilige Dreifaltigkeit des momentanen Spielemarkts: Survival, Open World und Early Access.

Yggdrasils 10. Welt lockt mit Gehimnissen jenseits der Meere

Doch wie es zu erklären, dass dieses Wikingerabenteuer trotz jener schlechten Vorzeichen überzeugen kann? Für mich hebt es sich in drei Punkten vom Early Access Einheitsbrei ab.

Survival muss nicht nervig sein

Wenn viele Spiele dieses Genres eine gemeinsam haben, ist es, dass die Survival Mechaniken mehr oder minder den Spielspaß in regelmäßigen Abständen deutlich ausbremsen. Ständig muss man auf stetig fallende Anzeigen achten, damit die Spielfigur nicht Hunger leidet, Verdurstet oder vor Müdigkeit gleich das Zeitliche segnet. Damit man überhaupt den Status Quo erhält bedarf es einem permanenten managen dieser Anzeigen und wenn man sich nicht daranhält, hat man sofort mit negativen Konsequenzen zu rechnen. Valheim dreht diesen Spieß einfach um. Die Spielfigur hat immer ein gewisses Basislevel, unter das man auch nach tagelangem Fast nicht fallen kann. Schlafen muss man nicht, es hilft aber die dunkle Nacht vorbei gehen zu lassen und trinken hat man gleich ganz gestrichen. Essen ist, einfach gesagt, Buff food und kann einem die Reise sehr erleichtern, aber es ist für das reguläre Gameplay nicht jeder Zeit erforderlich und ist in seiner einfachen Form auch leicht beschaffbar. Das nimmt dem Spiel einigen Druck und erlaubt es, dass man sich auf die Stärken fokussieren kann – Bauen und Erkunden.

Schaffe, schaffe Häusle baue

Zum guten Ton aller jener Sandbox spiele gehört natürlich auch, dass man sich seine eigene Basis baut – Valheim bildet hier natürlich keine Ausnahme. Mit seinen in der Open-World gesammelten Materialen wie Holz und Stein steht man bald schon vor einer Hütte, die man nach schwedischen Möbelhaus Vorbild aus einzelnen Modulen wie Wänden, Bodenbrettern und Fertigdachteilen zusammenzimmert – die Entwickler bleiben scheinbar auch hier ihrer Heimat treu. Das Bauen geht dabei recht gut von der Hand, und auch wenn es manchmal etwas fummelig wird, kann man seine Vorstellungen gut und schnell umsetzten und falls man doch etwas falsch setzt, kein Problem, die Baumaterialien gibt’s nach Abriss komplett retour – das spart Zeit und Nerven. Das Bauen ist auch eine der Hauptmotivationen des Spiels, denn nur wenn man neue Gebiete erkundet und darin die neuen Materialen findet, bekommt man mehr Auswahl im Katalog, der für eine Early Access Spiel schon recht großzügig ausfällt. Und so kann man nach und nach seine Wikingerfeste mit Langhaus, Drachenboot, Schmiede und Feldern ausbauen und freut sich darauf, nach langen Raubzügen nach Materialien noch mehr üppige Details anzubringen.

Solche Hallen sind in Valheim problemlos möglich

Dabei muss man sich nicht zwingend nur an die vorgegebenen Kontaktpunkte der Module halten, sondern kann in vielen Bereichen auch ein wenig freihändiger Arbeiten. Dadurch sind der Kreativität sind fast keine Grenzen gesetzt, aber Vorsicht, auch Valheim verlangt, dass man etwas auf die Statik schaut; fliegende Häuser gibt es auch im magischen Reich der Toten nicht.

Über Stock und Stein und dunkle Grüfte

 Das Erkunden der Welt ist neben dem Bauen die Hauptbeschäftigung des Spiels. Über saftige Wiesen, durch dunkle Wälder und eisige Berge wandert man, um entweder Materialien zu sammeln oder einem der fünf Bosse den Gar aus zu machen. Die fünf Biome gestalten sich dabei angenehm Abwechslungsreich und haben jeweils ihre ganz eigene Atmosphäre.

Eine Inspiration, die man in dem Spiel in diesen Momenten ganz klar erkennt ist Dark Souls. Gerade wenn man Solo unterwegs ist versetzen einen die vereinzelten Ruinen und verlassenen Siedlungen immer wieder in eine Welt, die vor dem Spieler schon da war. Verstreut findet man auch Runensteine, welche die Geschichte vom namensgebenden Valheim und der eigenen Vorgänger erzählt. Man fühlt sich entsprechend klein in Yggdrasils 10. Welt, was aber den Entdeckerdrang umso mehr weckt, wenn man wissen will, was jenseits des Meeres auf einen wartet.

Auch beim Kampfsystem hat man zumindest mal auf das japanische Rollenspiel gespickt. Blocken, Ausweichrollen und Ausdauerkontrolle sind das A und O, kommen aber deutlich rudimentärer daher, als bei vielen Genrekollegen. Dennoch erlaubt es, dass man auch mit nicht ganz geeigneter Ausrüstung zumindest am Anfang, deutlich stärkere Gegner durch aufmerksames spielen besiegen kann, denn wenn dich ein Troll mit einem Baumstamm verdrischt, hilft dann auch kein Blocken mehr.

Erst später werden Resistenzen und Stats deutlich relevanter, ändern aber dennoch nichts am System aus Blocken, Ausweichen und Timing. Und genau wie bei Dark Souls macht dieses direkte Kampfsystem sehr viel Spaß.

Potential für mehr

Insgesamt ist Valheim ein gelungenes Early Access Paket. Da stört auch die an PS1 Zeiten angelehnte Grafik nicht, denn auch wenn die Texturen niedrig aufgelöst sind, versprüht die starke Art direction einen ungeheuren Charme und wenn die aufgehende Sonne durch das dichte Blätterdach des Waldes bricht, vergisst man schnell, das der eigene Charakter nur aus gefühlt zwanzig Polygonen besteht. Unterstütz wird alles von tollem Sound Design, dass wunderbar die Brücke zwischen einer früheren Ära und der heutigen Zeit schlägt.

Valheim macht vieles Richtig, aber es ist nicht perfekt. Zum einen fehlt es dem Spiel noch an Abwechslung. Gerade wenn man nicht zügig in die verschiedenen Gebiete reist, hat man sich trotz der hübschen Optik schnell an Wäldern sattgesehen. Und problematisch wird es auch, wenn man in der zufällig generierten Welt keine der verschiedenen Biome in der Nähe hat. Dann wird es schnell mühselig die weiten Distanzen zurückzulegen und es helfen dann auch keine Portale, durch die man nicht alle Gegenstände mitnehmen kann.

Für mich ist es diese Mischung aus motivierendem und nicht nervigem Survivalsystemen, einem spaßigem Bausystem und einer toll gestalteten Welt, die sich an den Stärken von Action RPGs der letzten Jahre orientiert, die Valheim so reizvoll macht. Die Entwickler fangen fantastisch die düster, bedrohliche aber heroische und entdeckungsfreudige Stimmung ein, welche die (wohlgemerkt verklärte) Zeit der Wikinger immer für mich ausgezeichnet hat. Als Fan von allem Wikinger konnte mich Assassins Creed Valhalla nicht überzeugen, dafür dieses kleine Spiel aus Schweden umso mehr.

Und die Entwickler haben schon eine grobe Roadmap veröffentlicht, die für dieses Jahr noch einige Updates verspricht – man bleibt gespannt!

Zum Abschluss gibt’s gleich zwei mal was für auf die Ohren: Der passende Soundtrack für lange Nächte in Valheim, mit düster nordischen Klängen von Wardruna und Heilung.

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