Angespielt – Die Abbruchreihe Teil 1

Mit dieser geplanten Reihe möchte ich mich einer Sache widmen, die vermutlich viele Spieler betrifft – Den Spielabbruch. Dieser Moment, wenn man ein eigentlich gerade erst begonnenes Spiel bei Seite legt und einfach nicht weiterspielt. Manchmal sind die Gründe klar, entweder macht es keinen Spaß, oder es ist zu schwer, oder gerade einfach nicht das, was man jetzt spielen möchte. Doch ich habe mich auch schon dabei erwischt, dass Spiele einfach irgendwie von der eigenen Bildfläche verschwinden; bis man sie aus seinem Pile-of-shame ausgräbt und feststellt, dass die Storefront des Vertrauens doch ein „zuletzt gespielt am“ anzeigt. Ein paarmal hatte ich die Titel sogar offenbar fast durchgespielt…

Um dem vorzugreifen möchte ich das ein wenig dokumentieren, da es mir in der letzten Zeit häufiger passiert ist und irgendwie keine Gedanken darauf verschwendet habe, warum eigentlich. Eine Mischung aus Kurzrezension und Selbstreflexion steht also an.

S.T.A.L.K.E.R – Anomaly

Eigentlich wollte ich die Stalker Reihe schon immer mal spielen. Als großer Fan der Metro-Reihe sollte ich mich ja auf einigermaßen bekanntem Terrain bewegen, schließlich haben ehemalige Stalker Entwickler die Metro Spieleschöpfer 4A-Games ja mitbegründet. Außer einem 16-Minütigen Versuch vor, Steam kann es einem ja sagen, sieben Jahren!, ist nicht viel dabei herumgekommen. Aber irgendwie hat mich die Reihe immer fasziniert, sicher auch dank der sehr treuen und eifrigen Fancommunity, welche die Reihe bis heute lebendig hält und dem anstehenden und langersehnten Stalker 2, welches im Trailer erstaunlich gut aussah. Also habe ich mich vor kurzem mal wieder an die Reihe herangewagt.

Da ich mich aber nicht mit den notorisch fehleranfälligen und von Fan-Patches zusammengeflickten Originalen auseinandersetzen wollte, versuchte ich es mit dem Projekt Stalker Anomaly. Es versprach originales Stalker Feeling, also eine düster-melancholische Stimmung in den Ruinen von Chernobyl. Da es nicht kommerziell vertrieben werden darf, ist das eigenständige Spiel auf Basis der originalen Stalker Engine auch kostenlos verfügbar.

Allerdings zeigt es, so beeindruckend es auch als Fan-Projekt ist, warum Hardcore-Fans nur bedingt als Spieldesigner funktionieren. An jeder Ecker merkt man, dass die Entwickler für das Spiel nur eine sehr enge Zielgruppe ins Auge gefasst haben können. Nachdem ich nach zwei Stunden Spielzeit wiederholt an drei als Tutorialgegner gedachten mutierten Wildschweinen gescheitert war, wollte ich schon fast das Handtuch werfen, konnte mich aber durchbeißen, nur um dann eine Stunde an kaum sichtbaren Anomalien zu verzweifeln. Ein-Schuss-Tod Mechaniken, unsichtbare Gegner, kaum Munition und Survival Mechaniken – das Spiel opfert viel Spaß dem Realismus, macht es auf seine Weise dadurch aber auch interessant, nur um dann zu einer Art Masochismus auszuarten.  

Auch wenn mich die Atmosphäre noch etwas länger bei Stange hielt, war mir das Drumherum am Ende doch zu anstrengend und das Spiel wanderte schnell wieder in die Ablage. Schade, aber für Fans sicher spannend und eine tolle Arbeit einer passionierten Community.

Dieser Stalker ist aber erstmal raus.

Resident Evil 2 Remake.

Als es herausgekommen ist, war ich regelrecht begeistert vom Remake des zweiten Resident Evil. Capcom portierte den Klassiker sehr überzeugend in die heutige Zeit und lieferte wirklich auf Top-Niveau ab! Aber bei aller Liebe zum Detail war bei mir nach dem ersten Durchspielen die Lauft raus und ich habe auf weitere Durchläufe mit Claire Redfield und Konsorten verzichtet. Einen genauen Grund kann ich nicht mehr rekonstruieren, aber für mich ist es bis heute nicht besonders motivierend dieselben Levels, nur mit ein paar wenig anderen Vorzeichen zu durchlaufen. Ein Grund warum mich auch Rogue-likes nie wirklich abgeholt haben.

Resident Evil 2 werde ich sicher irgendwann noch einmal spielen, aber ich finde einfach nur bedingt Spaß daran, iterativ denselben Content zu wiederholen.

Life is Strange 2

Was habe ich das erste Life is Strange geliebt. Nur wenige Spiele, Filme und Bücher haben mich so emotional mitgenommen wie die Geschichte um Chloe Price und Max Caulfield und auch wenn sie das Ende ein bisschen verbockt haben hat sich Dontnod mit dem Spiel verdient einen Namen gemacht. Darum waren meine Erwartungen an den zweiten Teil auch entsprechend hoch und auch wenn mir die Ankündigung, dass Max und Chloe keine Rolle im Nachfolger spielen werden, einen Dämpfer verpasst hat, hatte ich Hoffnungen in Dontnod.

Diese Hoffnungen haben sich für mich allerdings nicht erfüllt. Hat der Prolog mit The Awesome Adventures of Captain Spirit noch in derselben Liga wie der erste Teil gespielt, konnte ich kaum glauben, dass die erste Episode von Teil 2 vom selben Entwickler kam. Das Brüderpaar der Protagonisten auf einem Roadtrip durch die USA zu begleiten, gespickt mit den sozial politischen Untertönen der Trump-Präsidentschaft, waren für mich als Setting einfach nicht das, was ich mir von Life is Strange versprochen habe. Dazu kam auch, dass die Wartezeit zwischen den Episoden sehr lang war, länger noch als beim ersten Teil, wo sie schon fast unerträglich waren, nur das ich damals sehnsüchtig darauf gewartet habe – Teil zwei war mir nach Episode zwei egal geworden, sodass ich trotz gekauftem Season Pass keine Minute länger gespielt habe.

Jetzt hoffe ich das Deck Nine das Ruder herumreißen und mit Life is Strange True Colors wieder den Charm des ersten Teils einfangen können.

Vielleicht schaue ich auch nochmal in Teil zwei rein, aber wirklich Lust habe ich in der Retrospektive darauf nicht.

Haven

Haven ist sicher eines der wenigen Spiele, dass sich recht ungeniert an der realistischen Darstellung einer jungen Liebe versucht. In meinen Augen gelang den Entwicklern das auch echt gut, wenn vielleicht an manchen Stellen etwas kitschig. Wegen den beiden Protagonisten habe ich auch recht lange über das doch ziemlich monotone aber gleichzeitig frickelige Gameplay hinwegsehen können. Machte das sanfte Gleiten über die Ebenen eines merkwürdigen Alienplaneten am Anfang noch Laune, nutzte es sich sehr schnell ab und mit den rudimentären Rundenkämpfen wurde es rasch zur Fleißarbeit um die Story Häppchenweise voranzubringen.

Dazu war die Story am Ende für mich aber nicht motivierend genug und auch wenn mir das Spiel durchaus positiv in Erinnerung bleibt, habe ich nicht das Gefühl, irgendetwas verpasst zu haben, nur weil ich das Ende nicht erreicht habe.  

Haven hat mir jedenfalls gezeigt, wie wichtig mir Pacing ist und wie sooft liegt die Würze in der Kürze. Wenn mir das Gameplay beim Genuss der Story, um die es eigentlich geht, im Weg steht, sollte es zumindest in einer ausgewogeneren Balance zum Gesamtpaket stehen – hier ist das nicht gelungen. Ich kann mir aber auch nicht vormachen, dass es eine leichte Aufgabe für die Entwickler ist – mein Geduldsfaden ist über die Jahre einfach kürzer geworden, wenn es um das Strecken von Spielinhalten geht.

Erste Erkenntnisse

Wirklich ankreiden kann man den ganzen Spielen eigentlich nichts, es sind bei all den genannten keine so gravierenden Schnitzer vorhanden, dass man irgendwie generell von ihnen abraten müsste, naja STALKER Anomaly ist vielleicht ein Sonderfall. Es sind einfach Aspekte, die mir persönlich zuwidergelaufen sind. Keines der Spiele konnte mich soweit packen, dass ich über ihre Schwächen einfach so hinwegsehen konnte, auch angesichts der Tatsache, dass auf dem immer weiterwachsenden Pile-of-Shame noch eine Menge anderer Titel eines Blickes bedürfen und Zeit ja bekanntermaßen das kostbarste Gut ist. (Und mich trotzdem nicht davon abhält so manches Spiel mehrmals zu spielen…)

Jedenfalls ist es recht erhellend sich darüber einmal Gedanken zu machen, warum man Manches wieder bei Seite legt. Nicht immer sind es nur Ablenkung oder der Verlust der Lust, sondern ganz konkrete Probleme, die man mit einem Spiel hat. Oft verlangt man von Reviews, dass sie ein Spiel zur Gänze durchgespielt haben, um sich darüber eine adäquate Meinung zu bilden, aber auch der Abbruch kann wertvolle Einsichten vermitteln. Gerade in der Zeit von GamePasses, Sales und Epic Games Giveaways ist die Spieleflut eigentlich schon viel zu groß, sodass man sich nicht nur fragen muss, was spiele ich jetzt, sondern auch warum spiele ich manches nicht mehr.

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