Was ist mit Routine passiert?

RoutineHorrorGameAstronaut

Es gibt immer mal wieder Spiele, die einen starken ersten Auftritt hinlegen. Umso beachtenswerter, wenn es sich dabei Indie Spiele handelt. Da oftmals keinerlei Werbebudget zur Verfügung steht, ist es beeindruckend, wenn sie aus der Masse hervorstechen können.

Eines dieser Spiele war Routine.

Der Erfolg

2012 angekündigt unter dem damals neuen Label Steam Greenlight, erfreute sich das Indie Spiel sofort großer Beliebtheit. Unter dem Banner ermöglichte Valve es, dass Nutzer Spiele wählen konnten, um überhaupt auf Steam zu erscheinen. Zuvor geschah das händisch, war aber aufgrund der schieren Zahl an Kandidaten nicht zu bewältigen. Routine war dabei beim Start des Programms das Spiel, das den begehrten Status am schnellsten erlangen konnte. Bis zur Einstellung von Greenlight im Jahr 2017 wurde dieser Rekord auch nicht gebrochen.

Zunächst schien dem Erfolg also nichts im Weg zu stehen.

Mondbasis Horror

Bei Routine sollte es sich um ein Survival Horror-Spiel aus der Ego Perspektive handeln. Auf einer Mondbasis spielend, in einer Retrozukunft der 80er Jahre, stand man vor dem Rätsel des Verschwindens der Stationsmitglieder. Unter ständiger Bedrohung durch feindselige Roboter und anderer Gefahren, musste man unter dem Damoklesschwert des permanenten Todes versuchen, das Geheimnis zu lüften. Verschiedenen Enden versprachen Wiederspielwert.

Entwickelt wurde es vom kleinen, britischen Studio Lunar Software. Aaron Foster, Jemma Hughes und Peter Dissler machten das drei köpfige Team aus und wurden bei Sound und Musik von Doom und Wolfenstein Komponist Mick Gordon unterstützt.

Regelmäßig veröffentlichen sie kurze Trailer und Gameplay Segmente. Das dabei mehrmals auch das Releasefenster verschoben wurde, deuteten Manche damals schon als schlechtes Zeichen. Doch es stellte sich nie komplette Funkstille ein. Die kurzen Blogeinträte versicherten, dass es nur aufgrund der kleinen Teamgröße zu Verzögerungen käme, sie aber fest entschlossen seien, dass Spiel zu veröffentlichen.

An diesem Gameplay Trailer kann man gut das Potential erkennen.

Im Oktober 2016 schien es dann auch soweit zu sein. Ein neuer Trailer versprach einen Release im März 2017. Doch die Monate zogen ins Land und pünktlich zur eigentlichen Veröffentlichung kam stattdessen ein erneuter Blogeintrag: man müsse das Spiel wieder verschieben. Eines der zwei Enden war ihnen nicht gut genug.

Seitdem ist es still um Routine.

Rätsel im Dunkeln

Auch die Entwickler zogen sich zurück. Die durchaus aktiven Social Media Profile des Teams sind seit dem Blogeintrag ohne Aktivität und die Website von Lunar-Software, trotz automatischer Hostverlängerung, ist eine Zeitkapsel geworden. Aus den versprochenen ein bis zwei Monaten bis zum nächsten Update sind vier Jahre geworden, ohne Aussicht auf Veränderung.

Zwar postete Aaron Foster 2018 noch einmal etwas auf anderen Plattformen, aber ohne Bezug zu Routine.  

Einzig aktiv geblieben ist eine kleine Fancommunity auf Reddit. Hier äußerte sich 2018 ein anonymer Nutzer, der sich als Freund der Entwickler und privater Investor vorstellte. Er schilderte schwierige finanzielle Umstände der Entwicklung, aber auch das Hilfen abgelehnt wurden. Aaron Foster schien die Belastung nicht ausgehalten zu haben und stellte die Arbeit am Spiel ein. Keine der Aussagen kann belegt werden und der entsprechende Account existiert mittlerweile nicht mehr. Bezüglich der Glaubwürdigkeit herrscht in der Community Uneinigkeit, mit der Tendenz zur Lüge.

Was bleibt

Natürlich müssen sich die Entwickler nicht rechtfertigen. Das Spieleentwicklung oft dramatisch und sehr schwer sein kann, hat man in den letzten Jahren zu Hauf lesen können. Das ein drei köpfiges Indieteam ein so ambitioniertes Projekt nicht zu Ende führen konnten ist zwar schade, aber wundert mich auch nicht.

Damals, 2012, war Routine sicher ein gewisses Einhorn im Horror Segment. Sci-Fi Horror war selten genug und in der Ego-perspektive sowieso. Doch mittlerweile ist der Markt ein anderer. Alien: Isolation hat den Reiz der Retrozukunft sicher voll ausgenutzt, Prey konnte nachziehen. Soma hat starke narrative Akzente setzen können und Dead Space steht auch wieder in den Startlöchern. Sicher hätte das Genre noch ein Spiel mehr vertragen können und Routine hatte ein gewisses Etwas, aber es wurde längst überholt.

Reizen würde es mich zwar schon zu wissen, wie das Spiel am Ende geworden wäre, aber Hoffnungen mache ich mir keine mehr. Doch, ich kann hoffen, dass die Entwickler ebenfalls mit dem Projekt abschließen konnten, auch wenn es nie jemand spielen konnte.


Auf Anfragen reagierte keiner der Beteiligten.

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